Abbau der Ausstellung

am Sonntag Abend, 11.10.20, wurde die diesjährige Ausstellung mit vereinten Kräften wieder abgebaut und die Bilder im Transportfahrzeug verstaut.

Danke nochmals an die Künstlerin Ulrike Donié, dass sie uns ihre Arbeiten zur Verfügung gestellt hatte und wir diese schöne Ausstellung in St. Stephan ausrichten konnten.

Gesichertes Abhängen…
versiertes Verpacken
gemeinschaftliches Verladen

Der Kunstgottesdienst am 11.10. als Finissage

Zum letzten Mal im Jahr 2020 und zum Abschluss der Ausstellung von Ulrike Donié fand am Sonntag-Abend, 11.10. ein Kunstgottesdienst statt. Noch einmal gaben Ulrike Doniés großformatige Bilder Anlass für Nachdenken und Gedankenaustausch zum Thema Schöpfung.

Die Künstlerin Ulrike Donié und Kuratorin Uta Weik-Hamann von den Kunstfreunden Lindau im Gespräch über Aspekte der Bilder und Fragen der Besucher

Dazu verfasste Tilmann Wolf (Galerie Peregrinus und Kirchenvorstand) diesen Text:

Im Zentrum des gut besuchten Gottesdienstes am Sonntag 11. Oktober 2020 stand das Gespräch mit der Künstlerin Urlike Donié, aus deren Hand die großformatigen Bilder zum Thema „Schöpfung“ stammen, die in der Kirche St. Stephan in Lindau 5 Monte zu sehen waren.

Angestoßen durch die Fragen der Gottesdienstbesucher entfaltete Ulrike Donié folgende Gedanken und Aspekte zu ihrem Schaffen: Aus der Aktmalerei einerseits und dem Umgang mit Farbflächen andererseits entwickelte sich die gezeigte Malerei in Acryl auf Nessel mit organischen Strukturen und expressiver Farbigkeit. Der Malprozess selbst hat dabei kein Ziel inhaltlicher oder formaler Art. Die Korrespondenz der Bildelemente, deren Spannung und deren Verbindungen werden gestalterisch in dichte und eher ruhige Zonen so ausbalanciert, dass der Betrachter mit dem Blick das Bild vom Zentrum zu den Rändern oder auch umgekehrt durchwandert.

Ihre Formensprache nimmt Impulse auf aus archetypischen Bildmustern, die jeder Mensch in sich trägt (C.G. Jung), und aus Erkenntnissen der modernen Hirnforschung. Ebenso verarbeitet sie unterschiedliche Weltanschauungen im Spannungsverhältnis zwischen den von Zielen geprägten Erklärungsmustern der Religion(en) und dem mehr zufallsorientierten Erklärungsmuster der modernen Wissenschaft. So begegnen sich Wissen und Glauben gemeinsam mit Nicht-Wissen und Zweifel. Das erzeugt Demut vor dem Unbegreifbaren und regt an, darüber nachzudenken. In diesem Sinne kann man die einzelnen Bilder als einen mikroskopischen Blick auf Entstehungsprozesse des Lebens lesen und deren Gesamtheit als Andeutung der überwältigenden Vielfalt, die physikalische Kräfte und biologischen Prozesse als Werkzeuge in Gottes Hand hervorgebracht haben.

„Da bildete Gott der Herr den Menschen aus dem Staub der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. …“ Aus diesem Wort aus dem Schöpfungsbericht der Bibel griff Pfr. Eberhard Heuss zuerst den Staub auf, der ihm als Kind in Gestalt des Sands im Sandkasten als lebloses Material für seine lebendige Phantasie und deren Umsetzung in leblose Bauwerke diente. Der Odem, der mehr ist als Atem, blieb den Bauwerken vorenthalten. Odem – so Heuss – steht nicht nur für das biologische Leben, es steht insbesondere auch für Seele, Geist, Gefühl und Begeisterung. Und Odem steht auch für die Schöpferkraft, die den Motor der Gefühle, der Gedanken und des Bildervorrats der Archetypischen Seelenbilder braucht. Und Odem steht für die Schöpferkraft, die von Freude, Leid und anderen Lebenserfahrungen entfacht wird. Diese Schöpferkraft spricht Joseph Beuys an, wenn er sagt: „Jeder Mensch ist ein Künstler“ Und dieselbe bewirkt, dass uns z.B. ein Bild von Dürer auch 500 Jahre nach dessen Entstehen berührt. Gotte schenkt uns den Odem, der uns täglich neu Gestaltungskraft und Verantwortungsfähigkeit gibt und den Odem, der auch in der Ausstellung spürbar wurde.

Ausstellungs-Ende am 11.10.

Das Ende unserer diesjährigen Ausstellung ist in Sicht: am kommenden Sonntag, 11. Oktober endet nach dem letzten Kunstgottesdienst (Beginn 18.30 Uhr) die Ausstellung “Schöpfung” von Ulrike Donié.

Ein letztes Mal wird in den Bildern und über die Bilder meditiert und diskutiert und passend gepredigt und gebetet. Dieses Mal gibt es sogar eine gesungene musikalische Begleitung. Kantor Pflomm wird zum ersten Mal eine Chor-Gruppe in die umrahmende Musik mit einbeziehen.

Nach dem Kunstgottesdienst beginnt dann der Abbau der großformatigen Malereien. Alle helfenden Hände sind herzlich willkommen.

Bildbetrachtung am 13.9.

Im Kunstgottesdienst vom 13. September stand Ulrike Doniés Triptychon im nördlichen Seitenschiff im Zentrum der Betrachtungen und Gespräche.

Triptychon – ein Altarbild?

Auch in dieser Arbeit von Ulrike Donié ist die „Ursuppe“, wie es ein Betrachter zu Beginn formulierte, präsent. Wolkig–neblige,  unkonturierte Flächen im Zentrumsbereich der drei Teile des Triptychons, dort, wo Künstler vergangener Epochen und auch heute eigentlich das Wichtigste der Bildaussage platzieren. Der menschliche Drang nach Erkenntnis bleibt im ersten Moment der Betrachtung, der sich automatisch dem Zentrum zuwendet, unbefriedigt. Ist unser Zugang zum Thema Schöpfung und Weltentstehung vernebelt? Die Bibel gibt uns eine Erzählung, die ebenso viele Fragen offen lässt – und Physiker würden über deren Bild der „ersten Stunden“ kaum anderes sagen. 

Ulrike Donié bezeichnete beim Aufbau der Ausstellung dieses (3-teilige) Bild als das am meisten religiöse der Serie. Das lenkte das Gespräch der Gottesdienst-Besucher auf die Kreuzformen in den Bildern und die dominanten Farben Violett, Grün, Rot und damit auch auf die Symbolik kirchlicher Farben. Violett steht für Besinnung, Buße, Veränderung und Grün für das Leben, Rot für die Liebe wie auch das Leiden. Etliche Kreuze ergeben sich aus der Überlagerung der zylindrisch-langen grünen und violetten Körper. Im mittleren Bild (mittig oben) könnte ein Arm mit der Hand an einem dieser „Balken“ fixiert sein. Der Rest verschwindet im Nebel. Die Kreuze sind alle leer.
Das Triptychon erzeugt den Eindruck als würde man durch ein Fenster schauen. Das Bild ist begrenzt und zerteilt durch die Rahmen, die das Glas halten. Ist der sichtbare Teil der eher zufällige Ausschnitt aus einer viel größeren Wirklichkeit? Ist es notwendig Wirklichkeit über die Ränder des Sichtbaren hinaus zu denken. Unser Bild ist immer begrenzt, unsere Wahrnehmung unvollständig … Hoffnung und Vertrauen sind unabdingbar, will man sich dem „Größeren“ zuwenden.

Wenn die Kreuze leer sind, wurde aus Karfreitag Ostern – das zentrale Fest der Christenheit, das uns die Tür öffnet über die Grenzen unserer kleinen Welt hinaus zu denken, zu glauben und Gottes Wirken immer wieder neu zu erwarten.

(Mitschrift der im Gottesdienst geäußerten Gedanken von Tilmann Wolf).

Ulrike Doniés Bilder im Gespräch

Im Kunstgottesdienst am 9.8.2020 in St. Stephan standen wieder Ulrike Doniés Bilder im Fokus der Gedanken. Pfarrer Bovenschen setzte die Auseinandersetzung unter die Überschrift ” CHAOS, GEGENSÄTZE UND BUNTES LEBEN” (mit-notiert von Tilmann Wolf):

Am Anfang war die Erde ein „Tohuwabohu“, öde und in einem chaotischen Zustand, aber der Geist Gottes schwebte über ihr. Diese „Mischung“ aus Chaos und einem schöpferischen Geist oder einem gestaltenden Wort schafft Leben, wie der Schöpfungsbericht fortfährt. Das Wort „es werde Licht“ trägt vermutlich eine mehrfache Botschaft: Licht ist „erhellend“. Das Licht der Sonne strukturiert die Zeit in Tage. Licht ermöglicht es, Ordnung zu schaffen, auch weil das Chaos sichtbar wird. Im Gespräch der Gottesdienst- Besucher hierzu wurde besonders ein Bild mit drei orangefarbenen „Dingern“ vor dunklem Hintergrund herangezogen: Erste Lebensformen? Erste Worte, Worte, die Ordnung in Gedanken, in der Weltwahrnehmung schaffen können und Worte, die nicht auf Anhieb verständlich sind … vielleicht erst im sich wandelenden Kontext einen Sinn bekommen – wer kennt das nicht? „Das Wort ward Fleisch“ (Joh 1:14) kommt später hinzu … 

Aus dem Chaos das Leben: Das schöpferische Wort gebiert das Leben – eine ordnende Kraft formt Pflanzen und Tiere – und alles Leben schöpft seine Kraft aus der Spannung der Gegensätze: Licht und Finsternis, Feste und Wasser, Himmel und Erde, Mann und Frau, Leben und Tod … geistig, geistlich, biologisch und physikalisch erzeugen Spannungen Bewegung und ohne Bewegung kein Leben. Spannungen sind Potential und oft auch Bedrohung. Darum ruft Leben nach Versöhnung: Versöhnung der Pole, der Gegensätze, der Spannungen, ohne die keine Saite schwingt, keine Geige klingt und keine Flöte den Raum mit Klang erfüllt, so wie Claudia Ferber mit Querflöte und Gertrud Fersch mit Klarinette den Kirchenraum zum wunderbaren Klangraum werden ließen. 

Gelingt die „Versöhnung“ das Umformen der Spannung in harmonische Schwingungen wird bunte Vielfalt zu unermesslichem Reichtum. „Nun danket alle Gott“ als Abschlusslied preist dieses überreiche Geschenk. 

(So weit die Notizen aus dem Kunstgottesdienst von Tilmann Wolf, Galerist in Scheidegg und Mitglied des Kirchenvorstands).

12.7.2020

Im Kunstgottesdienst am 12.7. um 18.30 in St. Stephan stand ein weiteres von Ulrike Donié Bildern im Mittelpunkt der Gedanken und Gespräche der zahlreichen Gottesdienst-Teilnehmer.

Die Eindrücke aus diesem 2. Kunst-Gottesdienst fasste der Galerist Tilmann Wolf, Mitglied des Kirchenvorstands von St. Stephan – Christuskirche und im Team für die Kunstgottesdienste, so zusammen:

MITTENDRIN EIN STÜCKCHEN HIMMEL

“Und die Erde war wüst und leer, und Finsternis lag auf der Tiefe” (1.Mose 1) – so beginnt die Bibel. Das Bild, das für den Kunstgottesdienst am 12.7.20 aus dem Schöpfungszyklus der Malerin Ulrike Donié ausgewählt war, zeigt einen späteren Zeitpunkt. Hier verschmelzen der Biblische Bericht und das, was uns Physiker und Archäologen aus der frühesten Frühzeit vortragen.

“Ich sehe mittendrin ein Stückchen Himmel,” sagte eine Besucherin als ersten Beitrag zum Gespräch und ein anderer Besucher ergänzte: “Chaotisch – Leben entsteht. Das Bild hat eine Lebensfreude und verbindet unruhiges Chaos mit der Ruhe des Himmels.” Wurzeln und Gewürm erblickten andere, verbunden mit wohltuenden und angenehm abgestimmten Farben. Grün bringen wir ganz besonders mit “Leben” in Verbindung, wenngleich pflanzliches und tierisches Leben auch sehr farbenfroh sein kann. So ließ die Assoziation eines Korallenriffs nicht auf sich warten. Ein Korallenriff als Wiege von Lebensvielfalt und – Reichtum. Eine Wiege, die wir Menschen nicht liebevoll schaukeln und wiegen, sondern durch unsere Lebensweise eher bedrohen und vernichten. Im oberen Bildteil erblickten Besucher eine Andeutung der Hände aus dem Bild “Erschaffung Adams” von Michelangelo, in dem Adam seinen linken Zeigefinger ausstreckt, um Gott zu erreichen, so dass ein Lebensfunken überspringen kann.

Pfarrer Eberhard Heuss richtete seinen Blick auf den Aspekt des Perspektivwechsels: Der Blick auf Reichtum und Schönheit der Natur, der Blick von den nahen Bergen hinaus über das Land und den See oder mit Reinhard Mey “über den Wolken…”, das kann unsere Tagesprobleme als klein und unbedeutend erscheinen lassen. So wie in dem Bild mancher erst Chaos und Wirrwarr wahrnimmt, dann aber vielleicht Himmel, Hände oder einen reichen Meeresgrund findet. Eine modern und frei formulierte Fassung zum Psalm 89 von Uwe Seidel, die mit den Worten schließt: “Die Schöpfung spielt dir das Lob der Ewigkeit. Wir klammern uns an deine Treue, die die Himmel überspannt,” gab den Besuchern eine Perspektive voll Hoffnung und Zuversicht mit auf den Weg.

Ulrike Doniés Bilder im Gottesdienst

Am Sonntag, 14.6. fand der erste Kunst-Gottesdienst in St. Stephan in diesem Jahr statt. Wegen der Corona-Sperre konnte nicht früher damit begonnen werden. Nun werden wieder jeden 2. Sonntag eines Monats um 18.30 Uhr die besonderen Abend-Gottesdienste stattfinden, bei denen ein modernes Kunstwerk Anlass zur Meditation und inhaltlichen Auseinandersetzung, aber auch für Gebet und Predigt darstellen wird.

Am 14.6. stand eines der großen Tondi (Rund-Bilder) von Ulrike Donié im Mittelpunkt der Betrachtung zum Grund-Thema SCHÖPFUNG. Pfarrer Heuß lud alle Anwesenden ein, sich während der anschließend gespielten meditativen Orgelmusik von Kantor Pflommer in die Anschauung dieses Bildes zu vertiefen und Gedanken und Gefühle dazu zu erforschen. Anschließend erfragte Kuratorin Uta Weik einzelne Personen, die sich dazu meldeten, nach ihren Eindrücken und Überlegungen. Dabei wurden interessante Positionen und Anregungen genannt und ausgetauscht. Beispielsweise regte die runde Form dieses Gemäldes zu der Vorstellung an, in ein Mikroskop zu schauen und die Entwicklung kleinster Einheiten und Lebensformen in einem Urgewässer zu beobachten. Genauso war es aber auch vorstellbar, in einem Teleskop in die Tiefen des Weltalls zu schauen und die dortigen Strukturen wahrzunehmen. Jede Idee, die von diesem Bild, seinen Strukturen und Farben angeregt wird, hat ihre eigene Gültigkeit. Schon in der Lesung des Psalms 104 aus dem Alten Testament (durch Kirchenvorstand Tilmann Wolf) wurde die Parallele zur Entstehung allen Lebens gezogen. Pfarrer Heuß nahm dann in der Predigt explizit zur Schöpfung und ihrer möglichen Veranschaulichung in diesem Bild Stellung. Er griff auch die zuvor geäußerten Gedanken der Gottesdienst-Besucher auf und spezifizierte sie im Hinblick auf die Größe und Schönheit der Schöpfung und die Verantwortung, die wir für sie haben. Er steigerte unsere besondere Aufgabe zu einem tiefen Dank an den Schöpfer für seine Schöpfung. Rund war dabei nicht nur das betrachtete Bild, sondern auch die stimmig gewählte Orgelmusik von Kantor Pflommer.

Das betrachtete Bild dieses Kunst-Gottesdienstes.

In den folgenden Kunst-Gottesdiensten am 12.7., 9.8., 13.9. und 11.10. wird jeweils ein anderes Bild oder Objekt von Ulrike Donié im Mittelpunkt stehen, um über einen anderen Aspekt des Themas SCHÖPFUNG nachzudenken.

Presse-Bericht

Unsere neue Ausstellung mit den beeindruckenden Farbtafeln von Ulrike Donié erhielt eine grosse Besprechung in der Lindauer Zeitung:

LOKALES SEITE 20 | DIENSTAG 26. MAI 2020

DER SCHÖPFUNGSMYTHOS IN NEUER FARBENPRACHT

Die St. StephanKirche öffnet ihre Türen für die Kunst von Ulrike Donié

Eröffnung im kleinen Kreis: Pfarrer Eberhard Heuß, Künstlerin Ulrike Donié und Kuratorin Uta Weik-Hamann (von links) in der Kunst-Ausstellung „Schöpfung“ in der St. Stephan-Kirche. (Foto: Babette Caesar)

Babette Caesar

Lindau
Lange ist nicht sicher gewesen, ob die Ausstellung der Künstlerin Ulrike Donié in der St. Stephan-Kirche erlaubt sein wird. Geschuldet der außergewöhnlichen Situation in Corona-Zeiten. Doch seit Samstag hängen die großformatigen farbgewaltigen Malereien zum Thema „Schöpfung“ im Innenraum. „Kunst in St. Stephan“ titelt die Serie, die der Kunstverein Kunstfreunde Lindau in Kooperation mit der Gemeinde St. Stephan und der Galerie Peregrinus jetzt zum vierten Mal durchführt.

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Pfarrer Heuß, die Künstlerin Ulrike Donié und Uta Weik-Hamann von den Kunstfreunden
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Wenn sich der Blick nach oben in Richtung der zwischen den Säulen frei schwebend installierten Bildern richtet, können Besucher erahnen, wie arbeitsintensiv die Anbringung gewesen ist. Geradezu „hochalpin“ inklusive Anseilung. Eine Vernissage hat es am Samstag nicht gegeben. Dennoch kamen am Nachmittag einige Besucher, um gemeinsam mit Ulrike Donié, die aus Linz am Rhein angereist war, Pfarrer Eberhard Heuß und Kunstvereins-Vorsitzender Uta Weik-Hamann die Ausstellung zu würdigen.

Genau genommen sei es keine „Ausstellung“ im üblichen Sinne. Auch schon nicht in den Sommern vor Ausbruch der Pandemie. Vielmehr wolle man einfach einen Meditationsraum schaffen, den Besucher bei freiem Eintritt so oft wie möglich genießen könnten, präzisierte Kuratorin Weik-Hamann. Ihr oblag zusammen mit Donié die Konzeption, die eine bestimmte Abfolge beinhalte. Dabei wechseln sich Bilder in Gestalt von Tondi und Quadraten so ab, dass ihre Bildmotiviken aufeinander antworten. Angesprochen sind dabei zum einen übergreifende Farbwerte und Strukturen, zum anderen die Darstellungen von Pflanzen und tierischen Wesen. Schnell wird klar, dass sich die Bildwelten der 1961 in Saarbrücken geborenen Künstlerin auf dem schmalen Grat zwischen gegenständlich und abstrakt bewegen. Froh sei er über diese Bilder, auf denen es so viel zu entdecken gebe, äußerte sich Pfarrer Heuß. Zum Innehalten und Nachdenken forderten die Malereien auf, die Donié in pastosem Acryl auf Nessel setzt. In stark leuchtenden Rot-, Blau- und Grüntönen, die hinüber ins Violette und Türkisfarbene changieren. Mal formen sich stangenartig gebogene Gebilde heraus, die an Menschliches erinnern mögen, wie auf dem im Seitenschiff platzierten Triptychon in Kreuzform. Diese Gliedmaßen scheinen durch amorphe, nicht näher benennbare Universen zu waten. Als dreidimen- sionale Verkörperungen aus Bauschaum, Draht und Gips finden sie sich über dem Eingang wieder. Die Installation würde den Zyklus abschließen im Sinne eines Endpunktes und einer Versteinerung. „Das bleibt ewig“, so Donié. Wie durch ein Mikroskop glaubt man in der Malerei auf Amöben und Korallen verwandte Organismen zu schauen, die längst aus dem Blickfeld hochzivilisierter Gesellschaften geraten sind, aber den Planeten Erde genauso bevölkern.

Womit sie den Aspekt Schöpfung anspricht. Die Diskrepanz zwischen wissenschaftlich belegter Evolution und religiösem Schöpfungsmythos sei schon lange präsent und würde Gläubige vor unlösbare Probleme stellen. Ihre Werke, die auf der Auseinandersetzung mit Philosophen der Antike, mit Gedanken und Schriften von Augustinus und Thomas von Aquin basierten, behandelten dieses Thema, doch ohne Antworten zu geben. So forciert ihre Malerei keine bestimmte vorgefertigte Richtung, sondern generiert die eigene Fantasie, wie Schöpfung vor sich gehen kann. „Kirche wird interaktiv“, sprach Weik-Hamann einen wichtigen Aspekt an, um Besucher aufzufordern, sich im Kirchenschiff zu bewegen und die Bilder von allen Seiten zu erleben. Hierdurch erge- ben sich spannende Blickachsen auf Tondi, die mit ihrem luftigen Flair nicht von ungefähr barocke Deckenfresken assoziieren. Umgekehrt an Höllenstürze denken lassen und damit Fragen aufwerfen, die in unsere Zeit hineinreichen. Man kann an Doniés Werken schnell vorüberziehen und Farbgewaltiges in Erinnerung behalten. Lohnenswerter ist ein Ein- tauchen, um immer neue Dinge zu entdecken und beschenkter wieder ins Freie nach draußen zu treten.

Die Kunst-Ausstellung „Schöpfung“ mit Malerei und Objekten von Ul- rike Donié in der St. Stephan-Kirche auf der Insel dauert bis 11. Oktober 2020. Die Kunst-Gottesdienste sind, soweit durchführbar, für folgende Sonntage vorgesehen: 14. Juni, 12. Juli, 9. August, 13. September und 11. Oktober. Nähere Infos unter

www.kunstfreunde.de

“SCHÖPFUNG”: Eröffnung am 23.5.

Am Samstag, dem 23.5. findet offiziell die Eröffnung der diesjährigen “Kunst in St. Stephan” mit dem Titel “Schöpfung” statt. Die Künstlerin Ulrike Donié und die Verantwortlichen von Kunstverein (Kunstfreunde Lindau e.V.) und Kirchengemeinde werden um 15 Uhr anwesend sein und den interessierten Besuchern (natürlich mit dem vorgeschriebenen Abstand) für Fragen und Erklärungen zur Verfügung stehen (bitte Gesichts-Masken mitbringen)…..

Aufbau

“Kunst in St. Stephan” dieses Jahr mit Arbeiten von Ulrike Donié: Verschiedene Stationen des Aufbaus…

  1. Auspacken, 2. Sichten und Auswählen, 3. Aufhängen (mit Bergsteiger-Ausrüstung und Sicherung und vielen Helfern), 4. Begutachten, 5. Über den gelungenen Aufbau freuen….